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13. Tatort-Adventskalendertürchen

Titel: Vorweihnachts-Zeit
Prompt: Weihnachtsdeko/Weihnachtsbeleuchtung
Genre: Humor, vielleicht, oder so. Eben die Münsteraner wenn gerade keine Katastrophe anliegt. :-)
Länge: ca. 2000 Wörter Rating: p6,
Character: Thiel, Alberich, Boerne
An: Danke an TSihek die das Ganze gebetat, und mich u.a. darauf aufmerksam gemacht hat, dass man in Boernes Büro nicht auf den Schrank klettern kann.

Vorweihnachts-Zeit


Loser Bezug zu "Spargelzeit" wenn man ihn sehen möchte.


Frank Thiel war ein Mensch, der es schätzte, wenn sein Leben in geregelten Bahnen verlief. Gelegentlich fragte er sich deshalb, warum er sich ausgerechnet Polizist als Beruf ausgesucht hatte. Denn hier waren weder die Arbeitszeiten, noch die täglichen Abläufe wirklich langfristig planbar.

Gerade deshalb mochte er allerdings eine gewisse Verlässlichkeit bei den sonstigen Rahmenbedingungen. Wenn er ehrlich war, war dieses Bedürfnis nach Verlässlichkeit der Hauptgrund für seinen Vorschlag: Ein neuer Kickertisch für die Jugendpsychiatrie.
Bei Münsters Polizei hatte sich die Tradition entwickelt anstatt irgendwelcher, mehr oder weniger undefinierter Spendenaktionen Geld für ein ganz konkretes Projekt hier in Münster zu sammeln. Dazu sollte möglichst jeder einen Vorschlag auf einen Zettel schreiben. Danach wurde abgestimmt.
Dabei gab es vermutlich andere Menschen die andere Dinge dringender gebraucht hätten. Denn die Patienten der Jugendpsychiatrie konnten durchaus Kicker spielen wenn ihnen danach war. Denn aus irgendwelchen Gründen, die Thiel nicht näher bekannt waren hatten Boerne und Frau Haller ihren Kickertisch an eben diese Abteilung der Uniklinik ausgeborgt.

Allerdings schien es für die Beziehung der beiden Rechtsmediziner wichtig zu sein, sich regelmäßig mit einander messen zu können. Das führte zu mehr oder weniger kreativen Aufgaben, um deren Erfüllung sie wetteten. Und genau darin lag Thiels Problem. Er schüttelte innerlich den Kopf, als er an seinen Besuch bei den Kollegen vorhin zurückdachte.

**************************************************

Thiel trat durch die Schiebetür in die Räume der Rechtsmedizin. Zwar war es hier drin fast nie wirklich heiß. Schließlich wurde die Temperatur wegen der hier lagernden Leichen kühl gehalten. Aber gerade im Winter war der Unterschied zu draußen doch sehr deutlich zu spüren. Da er es nicht besonders eilig hatte hängte er seinen Anorak an einen der Haken. Dabei wurde ihm bewusst, dass er bisher keine Stimmen gehört hatte, und auch sonst keine Geräusche die ihm anzeigten dass sich hier außer ihm noch jemand aufhielt. "Hallo! Irgend jemand zu Hause?!
"Hier im Büro" erklang es recht leise aus der entsprechenden Richtung.


Thiel wunderte sich darüber nicht sonderlich. Die extreme Kälte und der viele Schnee schienen auch die kriminelle Energie der Münsteraner deutlich zu dämpfen. Zumindest soweit es Tötungsdelikte betraf.
In den letzten zwei Wochen hatten sie insgesamt nur vier Mordfälle aufzuklären gehabt. Davon hatte sich bei einem der Täter selbst gestellt. Zwar arbeitete die Rechtsmedizin nicht ausschließlich mit der Mordkommission zusammen. Dennoch wusste Thiel dass die meisten anderen Fälle weniger dringlich waren. Daher konnte er sich gut vorstellen, dass seine Kollegen die Zeit nutzten um sich liegengebliebenem Papierkram zu widmen.

Er stand im Türrahmen zu Boernes Büro und sah, dass er nichts sah. "Frau Haller?"
Ein leises Knacken ließ ihn zum Schrank sehen. Zuerst fiel ihm eine Tür ganz oben auf die offen stand. Danach bemerkte er eine Leiter vor dem Schrank. Verbunden wurde beides durch einen ziemlich gestreckten Körper und die dazugehörigen Beine.
Er ging davon aus, dass es sich dabei um Frau Haller handelte. Allerdings waren Kopf und Oberkörper im Schrank verschwunden. Thiel überlegte, dass es an sich wenig Sinn hatte ein Gespräch anzufangen, beschloss aber sich anstandshalber dennoch bemerkbar zu machen. "Hallo?"
"Hallo Herr Thiel." Erklang es dumpf aus dem Schrank. "Ich bin gleich so weit."

Thiel warf einen kurzen Blick durch den Raum. Er bemerkte ein größeres Tuch, dass wie zum Schutz über die Couch gebreitet lag. Es sah aus wie eines der Tücher mit denen normalerweise die Leichen abgedeckt wurden. "Seit wann lagern Sie denn ihre Toten auf dem Sofa?"
"Was?"
Die verwirrte Tonlage ließ ihn grinsen. "Na wegen dem Tuch."
Ein Lachen erklang von oben. "Da ist nix drunter. Da soll was drauf.... und zwar jetzt."
Thiel sah mit einiger Fassungslosigkeit auf die Schachtel, die in hohem Bogen vom Schrank flog und mit knapper Not aber erfolgreich auf der Couch landete. Nur um beim Aufprall sofort ihren gesamten Inhalt über das Tuch zu entleeren.
Zum Vorschein kamen eine Rolle Klebeband, zwei Scheren, einige Reißzwecken, jede Menge Büroklammern und einiger anderer Kleinkram. Ein lautes Klappen ließ ihn wieder zum Schranksehen. Die Tür war wieder zu, und langsam schoben sich zwei ihm wohlbekannte, recht kurze Beine in sein Blickfeld. Schließlich hatte die ganze Frau wieder den Boden erreicht.


Während sie die Leiter zusammenklappte erklärte sie: "Tut mir leid. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass jetzt hier jemand auftaucht. Schließlich liegt gerade kein Fall an."
Thiel zuckte die Schultern. "Ihr Chef hat mir heute Morgen was von einer anstehenden Obduktion erzählt. Möglicherweise wollte da jemand schnell ans Erbe und da dachte ich..." Er verschwieg, dass er sich gerade vor einer Besprechung drückte. Dabei sollte es hauptsächlich um die, wieder mal recht kurzfristig angesetzte Weihnachtsfeier der Polizei gehen. Erwiesene Inkompetenz hatte die Kollegen in den letzten Jahren davon Abstand nehmen lassen, ihm in Abwesenheit irgendwelche unliebsamen Aufgaben aufs Auge zu drücken. Daher sah er keinen Grund an der Besprechung länger als nötig teilzunehmen.
Frau Haller zuckte mit den Schultern. "Ich weiß. Der Sohn würde seine Schwester zu gerne im Knast sehen. Die Mutter ist aber tatsächlich friedlich in ihrem Bett eingeschlafen. Ohne dass nachgeholfen wurde."
Inzwischen hatte sie sich die Rolle Klebeband und eine der Scheren aus dem Chaos auf der Couch gefischt und beides in ihrem Kittel verstaut.


Thiel runzelte die Stirn. "Wollen sie das da so liegen lassen? Boerne springt doch garantiert im Dreieck wenn er das sieht. Wo ist der überhaupt?"
"Besprechung mit dem Institutsleiter." "Der Chef meint, der Mann hätte zu wenig Gesellschaft. Sprich, diese Sitzungen dauern meist ewig, ohne das wirklich was dabei rauskommt. "Allerdings habe ich die Befürchtung, dass er sich heute beeilen wird."

Den ersten Teil seiner Frage ignorierte sie. Sie griff sich die Leiter und steuerte jetzt die Küche an. Thiel folgte ihr notgedrungen.
Dort angekommen ging er zur Kaffeemaschine und griff sich die Kanne, wobei er Frau Haller einen fragenden Blick zuwarf. Sie nickte kurz, wandte sich dann aber gleich wieder der Tür zu.

Sie nahm kurz Augenmaß und gab sich dann Mühe die Leiter so zu platzieren, dass sie ziemlich genau in der Mitte vor dem Türrahmen stand. Danach griff sie sich eine recht kleine Schachtel vom Küchentisch, deren Form ihm vertraut vorkam.
"Sagen sie bloß sie wollen hier 'ne Lichterkette aufhängen."
Sie nickte fröhlich. Ein bisschen Weihnachtsdeko schadet nicht, und hier sieht's ja außer uns keiner."

Thiel stimmte dem ersten Teil ihrer Aussage nicht unbedingt zu, wusste aber, dass es zwecklos war darüber zu diskutieren. Frau Haller war anscheinend gerade dabei zu planen wie genau sie die Lichterkette aufhängen wollte, denn sie sah mehrfach zwischen dem Türrahmen und dem Bündel aus Kabel und kleinen Lampen hin und her.
Thiel hatte sich derweil auf einen der Stühle gesetzt und trank seinen Kaffee.
Schließlich schien sie zu wissen, was sie wollte und kletterte auf die Leiter. Dort lehnte sie sich mit den Armen auf den oberen Griff und begann den Draht abzuwickeln der die Lichterkette zusammenhielt. Thiel hatte zwar nicht gerade Höhenangst. Aber er war nicht sicher, ob er bei dieser Aktion wirklich zugucken wollte.

"Wieso macht das eigentlich nicht der große Meister."
Bevor Frau Haller jedoch antworten konnte fuhr er fort: "Halt, sagen sie nichts. Um was geht's diesmal?"
Er musste ihr grinsendes Gesicht nicht sehen, um es sich vorstellen zu können.
"Darum, ob der Chef mir beim Schreiben der Materialbestellliste helfen muss."
"Ist das denn so großer Aufwand. Sie meinen doch den großen Zettel der im Flur hängt, wo sie immer eintragen, wenn was aufgebraucht ist. Das abzutippen macht zwar jetzt sicher keinen großen Spaß, aber richtig lange dauert's doch sicher auch nicht."
"Normalerweise haben sie Recht. Nur leider ist der Zettel runtergefallen, und eine wohlmeinende Putzfrau hat ihn weggeschmissen." Sie klang ein wenig undeutlich, da sie sich den Draht zwischen die Zähne geklemmt hatte, der bisher die Lichterkette zusammenhielt.
"Ah, verstehe, und wer immer jetzt die Bestände kontrolliert, ist Schuld wenn nachher was fehlt."
" Frau Haller nickte. Inzwischen hatte sie die Lichterkette abgewickelt und war damit beschäftigt, sie auf dem Türrahmen zu platzieren.

Thiel trank einen weiteren Schluck Kaffee. Er fühlte sich ein wenig unwohl während er Frau Haller beobachtete. Das lag gar nicht mal so sehr daran, dass er wirklich glaubte, sie könnte sich bei ihrer Kletterei etwas tun. Er kannte sie gut genug um zu wissen, dass sie ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen konnte.
Es hatte mehr damit zu tun, dass er von klein auf dazu erzogen worden war mitzuhelfen. Untätig daneben zu sitzen wenn andere beschäftigt waren, löste bei ihm immer eine Art schlechtes Gewissen aus. Er überlegte, dass er eigentlich gehen könnte. Allerdings hatte er nach wie vor keine große Lust auf die Besprechung. Außerdem war er doch neugierig, ob Frau Haller gewinnen würde.

Schließlich fragte er: "Soll ich den Kram vom Sofa aufsammeln?"
Frau Haller zuckte leicht zusammen, als er sie so unerwartet ansprach. Glücklicherweise fixierte sie gerade einen Teil des Kabels mit Klebeband so dass sie sich an der Wand abstützen konnte. "
Von mir aus gern. Aber der Chef nimmt sie dann heute Nachmittag vielleicht nicht mit nach Hause."
Thiel winkte ab. "Ich bin heut Nachmittag sowieso mit meinem Vater verabredet."
"Na dann. Danke für die Hilfe. Handfeger und Müllschippe sind..." Sie zögerte und machte dann anstalten von der Leiter zu steigen.
Thiel winkte ab. "Bleiben sie mal da oben. Ich werd‘s schon finden. So viele Möglichkeiten gibt's ja hier nun auch nicht."

Tatsächlich fand er das Gesuchte schon hinter der zweiten Tür. Vorsichtig schob er sich zwischen Leiter und Türrahmen durch und ging hinüber ins Büro. "Seien sie vorsichtig! Da sind Reißzwecken dazwischen." wurde ihm noch als Warnung hinterhergerufen.

Zuerst griff er sich die Schachtel in der die Büroutensilien zur Couch geflogen waren. Dabei handelte es sich um die Packung der Büroklammern. Die anderen Sachen waren da offenbar hineingestopft worden. Mit dem Ergebnis, dass die Schachtel vermutlich ihren Inhalt entleerte wenn man sie nur schräg anguckte. Das erklärte auch, warum Frau Haller nicht versucht hatte die Schere und das Klebeband einfach aus dem Schrank zu holen und die Schachtel oben stehen zu lassen. Immerhin war es möglich, dass sie dabei deren gesamten Inhalt oben im Schrankfach verteilt hätte.

Er griff sich den Besen des Handfegers und schob mit dem Stiel den Haufen Kleinteile möglichst breit auseinander. Als erstes fischte er mehrere Bündel, bestehend aus einer größeren Sicherheitsnadel auf die mehrere kleine gefädelt worden waren, aus der Menge der Büroklammern. Thiel vermutete dass letztere Packung erst vor kurzem angebrochen worden war. Er räumte die Sicherheitsnadeln zurück in eine kleine Schachtel, die sich ebenfalls auf der Couch fand.

Etwas mühsamer gestaltete es sich, die Reißzwecken einzusammeln. Allerdings wurden in dieser Rechtsmedizin solche mit farbigen Köpfen benutzt, so dass sie zumindest gut zu sehen waren. Er legte die halbe Handvoll einfach auf den Schreibtisch. Reißzwecken gehörten offenbar zu den Dingen, die nachbestellt werden mussten.

Schließlich "fegte" er die über die Couch verteilten Büroklammern auf die Müllschippe. Nach kurzem Zögern entschied er sich, sie zurück in die dafür bestimmte Packung zu füllen. Die war zwar einigermaßen ramponiert, aber er sah auf die Schnelle nichts Geeigneteres.

Thiel hatte eigentlich vorgehabt das Tuch wieder ordentlich zusammenzulegen. Allerdings gestaltete sich das allein und ohne eine glatte Fläche wo er es hätte ausbreiten können, für seinen Geschmack zu kompliziert. So faltete er es einfach nur zweimal quer und zweimal längs zusammen, so dass es sich gut über dem Arm tragen ließ. Danach griff er sich Handfeger und Müllschippe und ging zurück in die Küche.

In der Tür wäre er fast mit Frau Haller zusammengestoßen, die inzwischen wieder auf sicherem Boden stand während sie das letzte Stück der Lichterkette fixierte.
Thiel hatte gerade die Kehrgeräte zurück in den Schrank geräumt als die Schiebetür zu hören war. Frau Haller stieß einen leisen Fluch aus. Allerdings gelang es ihr den Stecker in die Steckdose zu stecken, bevor Boerne im Türrahmen erschien.
Sie grinste triumphierend. "So Chef, sie hängt und leuchtet. Also überprüfen SIE was wir nachbestellen müssen."
Boerne nickte langsam. "Es sieht tatsächlich so aus, als ob mir diese Aufgabe zufallen würde. Schließlich werden ihre kleinen Finger in der nächsten Zeit ja anderweitig beschäftigt sein. Und die Liste soll ja heute noch fertig werden."

Thiel beschloss, dass jetzt ein guter Zeitpunkt war, um sich zu verabschieden. Bevor Boerne bewusst wurde, dass er sich die Schachtel mit den Sicherheitsnadeln hätte etwas genauer ansehen sollen.


Während sie alle nacheinander den Raum verließen, verkniff sich Thiel ein zufriedenes Grinsen. Die Kollegen hätten das vermutlich missverstanden. Er war nicht der Einzige gewesen, der einen neuen Kickertisch für die Jugendpsychiatrie als Ziel für die Sammelaktion vorgeschlagen hatte. Als sein erstaunter Blick auf den von Nadeshda traf wusste er von wem der zweite Zettel mit diesem Vorschlag stammte.

Als seine Assistentin neben ihm auftauchte, zeigte er in Richtung Kantine und warf ihr einen fragenden Blick zu. Sie nickte. Es war zwar schon kurz nach zwei. Aber da viele der Kollegen bei der Besprechung dabei gewesen waren, würden sie sicher nicht die einzigen sein, die erst jetzt Mittag aßen. Vielleicht würde Nadeshda ihm ja dabei erzählen was sie zu ihrem Vorschlag motiviert hatte.

ENDE
Tags: Tatort Münster, alberich, boerne adventskalender 2013, thiel
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