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Adventskalender Hälfte des 22. Türchens

Titel: Keine Weihnachtsfeier
Prompt: Weihnachtsfeier
Rating: pg
Genre: Freundschaft
Länge: ca. 7000 Wörter
Handlung: Thiel hat eine Wette gewonnen und findet sein Fahrrad wieder. Alberich wartet auf ihre Nichte und hat (vorerst) keine Ahnung. Boerne lässt sich versuchsweise beim Helfen helfen und Frau Klemm beschließt, das in Ordnung zu finden.
(Alternativvorschläge werden gern entgegengenommen.)
Beta: TSihek, die so lange nachgefragt hat, bis ich es hoffentlich auch für Außenstehende nachvollziehbar geschafft habe meine Gedanken vom Hirn aufs Papier zu bringen.
Wilfried Siegmeyer seufzte innerlich, während er seine Kaffeetasse zurück auf den Tisch stellte.
Wieso hatte ihm das ausgerechnet bei diesem Kind passieren müssen? Und dann hatte er auch noch ausgerechnet Haller die Akte raussuchen lassen. Natürlich war dem Mann aufgefallen, dass der Test nicht an der Stelle stand wo er hingehörte. Zwar hatte er nichts weiter gesagt, aber sein Blick hatte Bände gesprochen.

Wieso musste das ausgerechnet jetzt passieren. In einem halben Jahr ging Buchweiz in Rente. Er hatte sich gute Chancen auf die Oberarztstelle ausgemalt. Aber mit so einem Eintrag in der Akte. Allerdings wäre das möglicherweise das Geringste seiner Probleme. sollten sich die Eltern entschließen zu klagen... er wollte gar nicht darüber nachdenken.

Er nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Zum Glück vertrat er gerade den Oberarzt, der im Moment auf einem Kongress weilte, und danach gleich seinen Weihnachtsurlaub antreten würde.
Er hatte also bis zum Anfang des neuen Jahres Zeit, sich etwas einfallen zu lassen.
Lustlos griff er nach der Zeitung, die vor ihm auf dem Tisch lag, und durchblätterte sie geistesabwesend. Plötzlich hielt er inne. Von einem der Fotos sah ihm ein großer dunkelhaariger Mann entgegen.
Das Überfliegen des Artikels verriet ihm, dass es um die Aufklärung einer Mordserie ging, an der der Professor offenbar maßgeblich beteiligt war. Eigentlich erstaunlich, dass der schon wieder große Töne spuckte. Immerhin hatte er vor kurzem erst selbst unter Mordverdacht gestanden. Zumindest hatte es einige Gerüchte in dieser Richtung gegeben. Ein Telefongespräch, in dessen Verlauf er mitbekommen hatte, dass es mit dem Respekt seiner Mitarbeiter offenbar nicht mehr zum Besten stand, hatte dies für ihn bestätigt.

Langsam formte sich eine Idee in seinem Kopf. Wenn alles so lief, wie er sich das vorstellte, wäre ihm nicht nur Haller, sondern auch Professor Karl-Friedrich Boerne hinterher etwas schuldig. Obwohl er und Haller schon weit über zehn Jahre auf derselben Station arbeiteten, wusste er nicht viel über seinen Kollegen. Er konnte sich allerdings erinnern, dass dieser ihn irgendwann mal darum gebeten hatte, seine Tochter ein Praktikum auf der Station machen zu lassen. Die war wohl irgendwie behindert und hatte deshalb Schwierigkeiten eine Stelle zu finden. Siegmeyer hatte das damals abgelehnt. Das fehlte noch, dass er als Notnagel herhielt. Irgendwann hatte Haller erzählt, die Frau hätte irgendeine Assistenzstelle in irgendeiner Pathologie.

Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Er würde Boerne zu einer neuen Mitarbeiterin verhelfen, die immerhin studiert hatte und die nicht so ohne weiteres kündigen würde. Viel entscheidender aber war, dass Haller ihm dafür mit Sicherheit dankbar sein würde. Dementsprechend würde er den Patzer mit dem Test sicherlich für sich behalten.
Den Brief würde er, Siegmeyer, einfach "vergessen" mit in die Post für Buchweiz zu tun. Da aus dem Brief hervorging, dass das Kind vermutlich keine bleibenden Schäden haben würde, war es sehr wahrscheinlich dass die Eltern von einer Klage absahen. Es musste also niemand von seinem Ausrutscher erfahren.

In wesentlich besserer Stimmung, als noch gerade eben, zog er sein Handy hervor und begann eine bestimmte Nummer in seinem Telefonverzeichnis zu suchen.

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Sie wollten gerade mit einer Obduktion beginnen als laut und deutlich ein Handyton zu hören war. Silke grinste. Schließlich war es in 90% aller Fälle sein Handy, das im Obduktionssaal klingelte. Und das obwohl er die Regel eingeführt hatte, dass sie während der Obduktionen ausgeschaltet zu sein hatten.
Boerne verdrehte die Augen während er das Handy herauszog und das Gespräch annahm, ohne vorher aufs Display gesehen zu haben.
Offenbar ein Fehler, denn seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte Boerne keine große Lust auf dieses Gespräch, konnte den anderen aber auch nicht einfach abwimmeln.
Silke hatte sich wieder dem Obduktionstisch zugewandt. Boernes Anteile am Gespräch waren zu kurz, als dass sie daraus hätte ableiten können, um was es ging. Schließlich sagte er aber doch mal etwas mehr als einen kurzen Satz. "Nun ja... Das ist ja nun nichts Neues. Das kommt schon öfter mal vor. Um nicht zu sagen... Das ist eigentlich der Normalzustand."

Silke hatte das Gefühl als würde er sie beobachten, während er das sagte. Als sie jedoch den Kopf zu ihm wandte, war er dabei sich Stift und Notizblock zu greifen. Sie zuckte innerlich mit den Schultern. Wahrscheinlich hatte sie sich das Ganze nur eingebildet.
Boerne schien sich jetzt doch Mühe zu geben, das Gespräch zu einem möglichst raschen Ende zu bringen. Seine Antworten waren dementsprechend kurz.
Schließlich schlug er dem anderen Gesprächsteilnehmer vor, sich am 22. abends im Kalinka zu treffen. Der Vorschlag wurde scheinbar angenommen und Boerne legte auf.
Silke runzelte die Stirn: "Chef, halten Sie es wirklich für eine gute Idee einen Fremden mit zu unserer Weihnachtsfeier zu bringen?"
Boerne hob mahnend den Zeigefinger. "Herr Thiel wäre sicher nicht erfreut, wenn er hört dass sie unsere Zusammenkunft weiterhin als Weihnachtsfeier bezeichnen."
Sie nickte ergeben. "Halten sie es dann für eine gute Idee einen Fremden zu unserem Testessen mitzubringen?"
"Alberich, vertrauen sie mir." Dabei setzte er einen so furchtbar übertrieben unschuldigen Gesichtsausdruck auf, dass sie sich nur mit Mühe das Lachen verbeißen konnte.
Sie schaffte es, ihr Gesicht einen sehr nachdenklichen Ausdruck annehmen zu lassen.
"Was ist denn?" Er klang tatsächlich leicht verunsichert.
"Nichts weiter. Ich habe nur überlegt, ob ich Sie nachträglich bedauern soll. Wenn Sie als Kind auch so übertrieben haben, sind Sie doch mit keinerlei Blödsinn durchgekommen."
Schnell drehte sie sich zum Obduktionstisch um ihr Grinsen zu verstecken, dass sie nun nicht mehr zurückhalten konnte.
"Alberich, Sie können versichert sein, dass keine Gefühle des Bedauerns ihrerseits notwendig sind. Ich war ein sehr wohlerzogenes Kind, das keinerlei Täuschungsmanöver dieser Art nötig hatte."
Damit griff er nach dem Tuch, dass die Leiche bedeckte und zog es zur Seite.

Nach kurzer Pause fragte er: "Apropos Familie. Was ist eigentlich mit ihrer Nichte in Spe?"
Silke zuckte die Schultern. "Der offizielle Geburtstermin ist in fünf Tagen. Aber als ich gestern mit meiner Schwester telefoniert habe meinte sie, die Kleine mache nicht den Eindruck, als würde sie demnächst an die Luft wollen." Boerne hatte dazu genickt.


Während sie schweigend weiterarbeiteten, ließ sie ihre Gedanken ein wenig wandern. Sie fragte sich, ob Boerne ihr irgendwann verraten würde, woher sein, wie sie fand erstaunlich großes Interesse an ihrer Familie kam. Nach dem, was sie im Laufe der Zeit mitbekommen hatte, waren die Beziehungen innerhalb seiner eigenen Familie eher schwierig. Vielleicht empfand er deshalb das, was sie zu erzählen hatte, als eine Art angenehmes Kontrastprogramm. Anfangs war sie sehr vorsichtig gewesen, mit dem was sie ihm erzählt hatte. Schließlich bot allein die Berufswahl ihrer Eltern – Entbindungspfleger und Automechanikerin – einiges an Stoff für Kommentare. Irgendwann hatte sie jedoch realisiert, dass er ihre Familie bei ihren Wortgefechten grundsätzlich außen vorließ.
Plötzlich stutzte Boerne, während er sich eines der Organe genauer betrachtete. Oh, das Zwerchfell sah definitiv nicht so aus wie sich das für ein Zwerchfell gehörte. Möglicherweise würde Thiel heute noch Arbeit bekommen.


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Boerne seufzte innerlich. Das diese Obduktion doch kein kompletter Routinefall war, wie ursprünglich angenommen, passte ihm gerade überhaupt nicht. Andererseits machte es sein Vorhaben vielleicht auch einfacher.
Als Siegmeyer ihn angerufen hatte, war er zunächst erstaunt gewesen. Sie waren zwar während des gemeinsamen Studiums recht gut miteinander ausgekommen. Aber danach war der Kontakt nur noch sporadisch gewesen. Dass sie vor etwa einem Monat wegen eines toten Neugeborenen miteinander telefoniert hatten, war reiner Zufall gewesen. Siegmeyers Bemerkungen über seine Assistentin und sein Verhältnis zu ihr hatten ihm definitiv nicht zugesagt. Daran, dem Mann dies deutlich mitzuteilen, hinderte ihn allerdings zum einen seine gute Erziehung und zum anderen der Fakt dass sie in Hörweite stand.


Also hatte er versucht Siegmeyers Idee abzuwiegeln ohne den Mann allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Er vermutete der Mann hatte irgendetwas ausgefressen und wollte sich daher bei irgendjemandem Liebkind machen um das Ganze zu vertuschen. Das war allerdings nicht sein Problem.
Siegmeyer bestätigte seinen Verdacht. Denn als er begriff, dass Boerne nicht wirklich interessiert an einer neuen Mitarbeiterin war, versuchte er ihm darzulegen warum es für ihn, Siegmeyer wichtig war der Frau zumindest zu einem Vorstellungsgespräch zu verhelfen. Er beließ es natürlich nur bei Andeutungen. Dabei hatte er zufällig Hallers Namen erwähnt.
Und plötzlich ging Boerne die Sache eine Menge an.

Er hatte daraufhin spontan den Plan gefasst, Siegmeyer im Kalinka sowohl mit Alberich, als auch mit den Kollegen von Polizei und Staatsanwaltschaft zusammentreffen zu lassen. Das würde ihm hoffentlich den Wind aus den Segeln nehmen und obendrein dafür sorgen dass er nicht auf die Idee kam, ihrem Vater irgendwelche Schwierigkeiten zu machen. Es hatte ihn einiges an Beherrschung gekostet, als Siegmeyer ihm erklärt hatte, warum die Tochter des Kollegen als Assistentin für ihn geeignet wäre.
Allerdings konnte sein Plan nur funktionieren, wenn er sicher sein konnte, dass Alberichs Vater sie nicht dazu überredete sich mit diesem potentiellen neuen Arbeitgeber zu treffen. Er war sich zwar sehr sicher, dass Alberich nicht wirklich Interesse an einem Jobwechsel hatte. Aber gerade deshalb könnte es zu Missverständnissen kommen.
Er wappnete sich innerlich. Alberich auszufragen, ohne das sie misstrauisch wurde, war keine einfache Aufgabe. Eine Obduktion bot sich da als Gelegenheit an, da sie sich dabei nicht wirklich auf ein Gespräch konzentrierte. Allerdings bestand die Gefahr, dass sie sich überhaupt nicht darauf einließ.
Sie hatte ihm mehrfach zu verstehen gegeben, dass es sie ablenkte, wenn von ihr während einer Obduktion vernünftige Gesprächsbeiträge erwartet wurden. Er hatte allerdings erst verstanden wie ernst es ihr damit war, als ihr tatsächlich ein Fehler unterlief und sie ihm das wirklich übelgenommen hatte. Seitdem hatte er sich meist darauf beschränkt über Themen zu referieren, die er gerade für relevant hielt.
Mit zunehmender Erfahrung hatte allerdings auch ihre Gesprächsbereitschaft zugenommen. Daher beschloss er, dass es einen Versuch wert war. Zwar stimmte mit der Leiche entgegen seiner ursprünglichen Annahme tatsächlich irgendetwas nicht, aber sämtliche Organe waren da wo sie hingehörten. Die notwendigen Abläufe waren ihr also vertraut.


Er entschied daher, den vorherigen Gesprächsfaden wieder aufzunehmen und zu sehen, wie sie reagierte. "Hat Sie selbst das eigentlich nie gereizt?"
Im ersten Moment war sie erschrocken. Offenbar hatte sie nicht damit gerechnet, dass er sie noch mal ansprechen würde. Immerhin waren sie mit der Obduktion ja auch schon recht weit vorangekommen, also eine gewisse Zeit vergangen. Glücklicherweise antwortete sie aber trotzdem.
"Babys auf die Welt bringen? Nein, nicht wirklich. Dafür bin ich zu neugierig. Das hab ich wohl von meiner Mutter."
"Sie meinen das Bedürfnis, alles auseinander zu nehmen?"
Sie lachte. "Wenn Sie's so ausdrücken wollen."
So weit, so gut. Jetzt musste er das Gespräch nur noch möglichst unauffällig in die gewünschte Richtung lenken.
„Hat Ihren Vater das nicht enttäuscht?"
„Nein, überhaupt nicht. Er war eher erstaunt, dass ich mich für Medizin als Studienfach entschieden habe. Er hatte mit Biologie oder Chemie gerechnet."
"Ich dachte nur, weil Väter ja meist das Bedürfnis haben, ihren Kindern zu helfen und das wäre für ihn definitiv einfacher gewesen, wenn Sie in ähnlichen Berufsfeldern arbeiten würden."
„Ich denke nicht, dass so etwas unserem Verhältnis gutgetan hätte. Er hat ein einziges Mal auf meine Bitte hin versucht, mir mangels Optionen einen Praktikumsplatz auf seiner Station zu besorgen. Geklappt hat das allerdings nicht."
Nun, nach allem was er bisher über die Hallers erfahren hatte, überraschte ihn diese Antwort nicht. Dummerweise waren sie inzwischen mit der Obduktion fertig. Wenn er also nicht bald zum Punkt kam, würde Alberich doch noch misstrauisch werden.
"Sie glauben also nicht, dass er versuchen würde... sagen wir, Sie zu einem Vorstellungsgespräch zu überreden?"
Verdammt, so wie sie jetzt guckte, schien ihr aufzugehen, dass seine Fragerei dieses Mal einen bestimmten Grund hatte und er nicht nu,r wie meist, einfach neugierig war.

Glücklicherweise steckte in diesem Moment eine aufgeregte Frau Krusenstern ihren Kopf durch die Tür. „Der Chef ist auf der Treppe ausgerutscht. Er sagt zwar nur sein Stolz ist verletzt. Aber ich denke es ist besser wenn sie ihn sich mal ansehen." Sie seufzte: „Und das ausgerechnet an seinem Geburtstag."
Zügig entledigten sich beide ihrer Schutzkleidung. Alberich holte den Verbandskasten und Boerne rief dem Obduktionshelfer über die Schulter ein „wegräumen!" zu. Dann machten sie sich auf den Weg nach oben. Er beschloss den Fakt zu nutzen, dass sie einmal mehr abgelenkt war. Auch wenn er damit vermutlich auf Unverständnis stieß.
„Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet." Sie musste offenbar einen Moment überlegen, was er meinte, dann schüttelte sie den Kopf. „Chef, manchmal haben Sie einen sehr seltsamen Sinn für Prioritäten. Aber da Sie sonst wohl nicht locker lassen... Nein, er würde mir da in Nichts reinreden. Ich bin mir nicht mal sicher, dass er mir von so etwas erzählen würde, wenn ich ihn nicht danach frage."
Boerne atmete auf. Er hatte zwar mit einer Antwort in dieser Art gerechnet, aber seine Vermutung von Alberich bestätigt zu bekommen, war doch beruhigend. Inzwischen waren sie bei Thiel angekommen, der wie ein Schluck Wasser aufs Geländer gestützt hing. Er überließ es seiner Assistentin, sich um Thiels Arm zu kümmern, mit dem der wohl versucht hatte seinen Sturz abzufangen. Sie hatte ohnehin den Verbandskasten und wenn sie für den Moment beschäftigt war, hielt sie das davon ab ernsthaft über ihr Gespräch nachzudenken.

Sein Blick fiel auf Frau Krusenstern, die etwas verloren am gegenüberliegenden Treppengeländer lehnte. Vielleicht wäre es gar nicht so verkehrt, wenn er versuchte herauszubekommen, was Siegmeyer wirklich vertuschen wollte. Im ersten Moment hatte er angenommen, dass es sich um irgendwelche Tricksereien bei den Abrechnungen handelte. Dabei war es nur eine Frage der Zeit, bis so etwas auffiel. Andererseits hatte Haller zu diesen Daten aber keinen Zugang. Vielleicht steckte also doch etwas Ernsteres dahinter. Auch wenn er sich das eigentlich nicht vorstellen wollte. Seiner Erfahrung nach, war Siegmeyer zwar ein Idiot, der den Rest der Menschheit für dümmer hielt als sich selbst, aber kein schlechter Arzt.

Um der Sache wirklich auf den Grund gehen zu können, wäre es gut, wenn er sich mit ihm früher im "Kalinka" treffen könnte. Und wenn da tatsächlich etwas Größeres im Busch war, war es vielleicht nicht schlecht, wenn es für ihr Gespräch einen Zeugen gab. Wieder wanderte sein Blick zu Frau Krusenstern. Er seufzte innerlich. Einerseits widerstrebte es ihm, um Hilfe zu bitten, wenn er nicht in der überlegeneren Position war. Oder sich zumindest auf allgemein anerkannte Tugenden, wie nachbarschaftliche Unterstützung, berufen konnte. Andererseits hatte er im Laufe der letzten Jahre langsam verstanden, dass es von seinen Kollegen durchaus nicht als Schwäche oder etwas ähnlich Verwerfliches ausgelegt wurde, wenn man nicht alles allein bewältigen konnte. Vor allem die Sache mit Songma hatte ihm das klar gemacht.

Nun, im Moment konnte er Frau Krusenstern ohnehin nicht fragen. Daher beschloss er, die Entscheidung auf später zu verschieben, wenn er in Ruhe hatte darüber nachdenken können. Zufrieden mit dem Ergebnis seiner Überlegungen, wandte er sich jetzt ebenfalls dem Hauptkommissar zu. Der war zwar nicht ernsthaft verletzt, hatte aber doch deutlich mehr abbekommen als nur eine Reduzierung seines Stolzes.

**********************

Während Nadeshda zwei Gläser Wein vor den beiden Medizinern abstellte, musste sie sich sehr zusammenreißen, um nicht die Augen zu verdrehen. Boerne hatte sie gerade gefragt ob sie ihr Handy ausgeschaltet hatte.
Als ob sie das hier heute zum ersten Mal machte! Nun genau genommen tat sie das. Denn die ganze Aktion war weder genehmigt, noch fand sie während ihrer Arbeitszeit statt. Das änderte allerdings nichts daran, dass sie im Bereich Polizeiarbeit nun definitiv keine Anfängerin mehr war.
Während sie kurz in der Küche verschwand, um sich den vorbereiteten Lappen und kleinen Eimer zum Tische abwischen zu holen, fragte sie sich kurz, warum sie sich eigentlich auf die Sache eingelassen hatte. Sie seufzte innerlich. Die Antwort war ganz einfach. Weil Boerne sie gefragt hatte. Und das war in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Es hatte zwar etwas gedauert, bis er zum Punkt gekommen war, aber er war letztendlich ziemlich direkt damit herausgerückt, dass er Hilfe brauchte, und hatte sie gefragt ob sie ihm helfen würde. Sie konnte Boerne zwar sicher nicht so gut lesen wie Frau Haller oder ihr Chef. Aber sie hatte durchaus gesehen, dass es ihm nicht leicht gefallen war das zuzugeben. Damit hatte er sie schon halb überzeugt. Trotzdem hatte sie natürlich erst mal genau nachgefragt, um was es eigentlich ging und was ihre Aufgabe dabei sein sollte. Daraufhin hatte er ihr von diesem Dr. Siegmeyer erzählt, der vermutlich Dreck am Stecken hatte. Deshalb war er auf die Idee gekommen, der Tochter eines Kollegen einen Job bei Boerne zu verschaffen, um sich damit das Stillschweigen dieses Kollegen zu erkaufen.

Die "Verhandlungen" waren ins Stocken geraten als sie wissen wollte, warum der Professor sich da überhaupt einmischte. Schließlich hätte er dem Mann einfach erklären können, dass er keine neue Assistentin brauchte. Nachdem sein Versuch sie abzuwiegeln gescheitert war, rückte Boerne schließlich damit heraus, dass es sich bei dem Kollegen um Frau Hallers Vater handelte. Das erklärte die Sache natürlich.
"Bei einer Mitarbeiterin, die durch Familienprobleme abgelenkt ist, ist die Gefahr wesentlich größer, dass ihr Fehler unterlaufen."



Nadeshda war immer noch stolz darauf, dass es ihr gelungen war einfach zustimmend zu nicken und sich ein "Is schon klar" oder einen ähnlichen Kommentar zu verkneifen.
Schließlich hatte sie zugesagt mitzuspielen. Der Plan sah vor, dass der Professor diesen Siegmeyer versuchen würde auszufragen, während sie im Raum war. Da sie Siegmeyers Meinung nach kaum deutsch verstand, würde der sie wohl ignorieren. Zumindest glaubte Boerne das. Später wenn die anderen eintrudelten, würde sie sich dazusetzen und natürlich deutsch reden. Das sollte Siegmeyer klar machen, dass es eine Zeugin gab, die zudem noch Polizistin war.

Nun stand sie also hier und wischte in Zeitlupe die Tische in diesem Teil der Gaststube ab. Dabei behielt sie die beiden Männer im Auge. Bisher war sie zu weit weg, um wirklich etwas verstehen zu können, denn beide sprachen recht leise. Das war bisher auch nicht nötig.
Sie hatte genug Erfahrung im Beobachten von Menschen, dass sie bemerken würde, wenn diese anfingen über etwas zu reden, was ihnen wichtig war. Das Boerne für sie kein Fremder war machte die Sache zusätzlich einfacher.

Irgendwann war es tatsächlich so weit. Sie ging vorsichtig ein paar Meter näher zum Tisch der Männer, wobei sie sich bemühte, möglichst keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Der Professor hatte Siegmeyer auf den Kopf zu gesagt, dass der ihm nicht aus heiterem Himmel einen Gefallen tun würde und er auch sonst nicht für seine soziale Ader bekannt war. Der Mann schien Boerne recht gut zu kennen. Denn seine Versuche sich zu verteidigen waren in Nadeshdas Augen bestenfalls halbherzig. Schließlich fügte er sich in das Unvermeidliche. Was er dann allerdings erzählte war eindeutig nicht das, was sie oder Boerne erwartet hatten.
Vor etwa drei Monaten war eines der Geräte ausgefallen, mit denen das Blut der Neugeborenen auf diverse Stoffwechselkrankheiten untersucht wurde. Daher mussten diverse Tests einzeln durchgeführt werden. Einen dieser Tests hatte Siegmeyer schlichtweg vergessen anzuordnen. Konkret ging es um den Test für die Feststellung von PKU. Nadeshda erinnerte sich vage, dass sie die Krankheit im Biounterricht durchgenommen hatten. Der vollständige Name war irgendwas mit Phenyl. Der Körper konnte einen bestimmten Stoff nicht abbauen, weil irgendein Enzym fehlte. Wenn sich dieser Stoff aber im Körper anlagerte, kam es zu schweren Störungen bei der Entwicklung des Gehirns. Blieb die Krankheit unbehandelt kamen die Betroffenen nicht über den Entwicklungsstand eines Kleinkindes hinaus.
Als Siegmeyer später aufgefallen war, dass er den Test vergessen hatte, hatte er ihn einfach selbst nachgetragen, mit negativem Ergebnis, wie es in den allermeisten Fällen zu erwarten war. In diesem Fall hatte er damit allerdings falsch gelegen.
Glücklicherweise für das Baby war eines der Symptome der Krankheit der spezielle Geruch des Urins, der den Eltern bald seltsam vorgekommen war. Daher hatten sie sich an einen Kinderarzt gewandt. Der Test war daraufhin nachgeholt worden, und nach Erhalt des positiven Ergebnisses war die Ernährung des Kindes entsprechend umgestellt worden. Trotz der Verspätung hatte man die Krankheit wohl rechtzeitig entdeckt, so dass das Kind vermutlich keine bleibenden Schäden behalten würde.

Aber natürlich hatte es eine Anfrage ans Krankenhaus gegeben. Da Siegmeyer gerade den Oberarzt vertrat, hatte er den entsprechenden Brief bisher für sich behalten können. Allerdings hatte er sich von Herrn Haller die entsprechende Akte heraussuchen lassen, bevor er ihn wirklich gelesen hatte. Dem war der unregelmäßige Eintrag natürlich aufgefallen, und er hatte eins und eins zusammengezählt.

Nadeshda atmete einmal tief durch. Das ging dann doch deutlich über eine Ordnungswidrigkeit hinaus. Daher entschied sie entgegen ihres ursprünglichen Vorsatzes die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Sie stellte jedoch wenig später fest, dass sie sich selbst wohl gar nicht würde darum kümmern müssen. So eindringlich wie Boerne dem Mann nahe legte, sich den Konsequenzen selbst zu stellen, war sie ziemlich sicher, dass der Professor anderenfalls dafür sorgen würde, dass es diese Konsequenzen gab. Siegmeyers lapidare Antwort, "Ich werd‘ drüber nachdenken." ließ sie allerdings daran zweifeln, Das auch der Arzt das verstanden hatte. Nun, Das würde sich im Laufe des Abends hoffentlich ändern.

Sie wollte gerade zu den Männern hinübergehen um für möglichen Getränkenachschub zu sorgen, als sie durch das kleine Fenster jemanden im Vorraum bemerkte. Etwas überrascht schaute sie auf die Uhr. Nein, ihr Zeitgefühl hatte sie nicht getrogen. Es war tatsächlich erst kurz nach sechs. Als sie erkannte wer da so zeitig gekommen war schüttelte sie resigniert den Kopf. Sie hatte Boerne ja gesagt, dass es besser wäre Frau Haller einzuweihen. Immerhin war es möglich, dass sie ihrem Vater zuliebe zu diesem Termin hingehen würde. Selbst wenn es nur darum ging, eine höfliche Absage zu erteilen.
Boerne war sich allerdings absolut sicher, dass sie nicht auftauchen würde. Zumindest nicht vor der verabredeten Zeit für die Weihnachtsfeier; warum auch immer. Da sie ihm das Gegenteil schlecht beweisen konnte, und es außerdem nichts Neues war, dass es ihm widerstrebte, das andere mitbekamen, dass er versuchte zu helfen, hatte sie die Sache auf
sich beruhen lassen.

Sie hoffte nur, dass sich das jetzt nicht rächte. Was der Rechtsmedizinerin durch den Kopf gehen würde, wenn sie zu diesem "Vorstellungsgespräch" kam und logischerweise davon ausgehen musste, dass Boerne eine neue Assistentin suchte, wollte sie sich gar nicht vorstellen.
Als Frau Haller jetzt den Gastraum betrat wirkte sie allerdings nicht so, als wäre sie wegen irgendetwas anderem hier, als einem Treffen mit Kollegen. Sie wirkte völlig gelassen, und auch ihre Kleidung machte nicht den Eindruck als wäre sie zu einem offiziellen Termin unterwegs. Nadeshda entspannte sich ein wenig. Vielleicht gab es doch einen völlig harmlosen Grund dafür, dass die kleine Frau schon so zeitig hier auftauchte. Als diese sie entdeckte, zeigte Nadeshda auf den Tisch an dem die beiden Männer saßen, wandte sich dann aber schnell wieder ab. Glücklicherweise versuchte Frau Haller nicht ein Gespräch mit ihr anzufangen, sondern ging zielstrebig auf den angewiesenen Tisch zu.
Nadeshda beschloss die Situation noch ein paar Minuten zu beobachten. Sollte sich ihre Befürchtung bestätigen und sich ein riesiges Missverständnis anbahnen, würde sie mit einem umgefallenen Glas dafür sorgen, dass sie einen Grund hatte um mit ihrer Kollegin auf der Toilette zu verschwinden und ihr dort die Sachlage zu erklären.


******************************************

Da Silke im Laufe des Abends etwas trinken wollte, hatte sie von vornherein beschlossen, für die Rückfahrt ein Taxi zu nehmen und daher auch nicht mit dem Auto zum Kalinka zu fahren. Eigentlich hatte sie sich durchaus auf den Spaziergang durch die Stadt, mit all ihren weihnachtlich geschmückten Schaufenstern, gefreut. Inzwischen hatte der Wind allerdings deutlich zugenommen. Zwar schneite es noch nicht, aber die schweren Wolken am Himmel machten deutlich, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es damit losging. Silke hoffte sie würde das Kalinka bis dahin erreicht haben.

Sie bog gerade auf die Hauptstraße, als es neben ihnen kurz aber kräftig hupte. "Sie sind doch bestimmt auf dem Weg zum Kalinka. Wenn Sie wollen kann ich Sie mitnehmen, ich muss sowieso in die Richtung. Und so wie der Himmel aussieht kommt da gleich ordentlich was runter."
Dankend nahm Silke das Angebot an und kletterte zu Herrn Thiel ins Taxi.
Während der Fahrt betrachtete sie die geschmückten Fenster, die jetzt im Auto natürlich um einiges schneller an ihr vorbei zogen. Dabei überlegte sie, dass sie nun ein gutes Stück zu früh im Kalinka ankam. Allerdings ging sie nicht davon aus, dass das ein Problem sein würde.

Schließlich hielt Das Taxi an einer Straßenecke. "Ist es OK, wenn ich Sie hier vorne schon rauslasse? In der Straße kann man so schlecht parken, und wir sind nicht die einzigen die heute keine Weihnachtsfeier haben..."
Silke winkte ab. „Ist schon in Ordnung. Die paar Meter schaff ich schon zu Fuß. Und danke noch mal fürs Mitnehmen." Sie stieg aus und das Taxi war kurz danach bereits in der Dunkelheit verschwunden.

Ein Blick auf die Uhr zeigte Silke, dass sie wie erwartet recht früh dran war. Dementsprechend ließ sie sich Zeit während sie die Straße entlangging.
Vor ungefähr einem Monat hatten sie an einem Bankraub gearbeitet, bei dem es Tote gegeben hatte. Zwar hatten sie die Täter recht schnell ausfindig machen können, aber denen war es gelungen die Beute in Sicherheit zu bringen. Die Meinungen darüber, wo denn nun Das Geld versteckt worden war, gingen weit auseinander. Schließlich hatten sie gewettet. Wer richtig lag durfte bestimmen, wie die diesjährige Weihnachtsfeier ablaufen würde. Am Ende hatte Kommissar Thiel Recht behalten. Da der nun eigentlich überhaupt nichts von Weihnachten hielt, hatte er kurzerhand festgelegt die Weihnachtsfeier dieses Jahr ausfallen zu lassen.

Besonders Nadeshda war darüber traurig gewesen. Nach einigem Zögern war sie schließlich damit herausgerückt, dass sie angenommen hatte, dass die üblichen Verdächtigen sich wie jedes Jahr im Kalinka treffen würden. Darauf vertrauend hatte Nadeshda sie ihrem Vater quasi als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt, da der einige neue Gerichte ausprobieren wollte, um sie im nächsten Jahr vielleicht auf die Karte zu setzen. Nach einigem Hin und Her hatten sie sich darauf einigen können, das Ganze Testessen zu nennen. Da Weihnachten in Russland ohnehin erst am sechsten Januar stattfand, war die Gaststätte auch nicht besonders dekoriert, so dass man den Fakt, dass zwei Tage später Heilig Abend war getrost ignorieren konnte.

Sie hatte gerade die Eingangstür hinter sich zugemacht, als Silkes Handy klingelte.
Am anderen Ende war Kommissar Thiel. Er hatte weder Boerne noch Nadeshda erreichen können, die anscheinend beide ihr Handy ausgeschaltet hatten. Nachdem er seinem Unmut darüber Luft gemacht hatte, erzählte er ihr, dass er am Bahnhof tatsächlich sein Fahrrad wiedergefunden hatte, das ihm vor ein paar Wochen wieder mal geklaut worden war. Bevor er es allerdings wieder in Besitz nehmen konnte, gab es jede Menge Papierkram auszufüllen. Da er nicht sicher war, wie lange das dauern würde, hatte er vorsichtshalber angerufen, da es gut möglich war, dass er nicht pünktlich da sein konnte.
Silke gratulierte ihm zum wiedergefundenen Fahrrad und versprach den anderen Bescheid zu sagen, bevor sie auflegte und das Handy wieder zurück in die Jacke steckte.

Sie hatte inzwischen den Gastraum betreten, und bemerkte zu ihrem Erstaunen Nadeshda, die in einiger Entfernung einen Tisch abwischte. Offenbar hatte diese sie ebenfalls bemerkt, denn sie winkte ihr kurz zu und zeigte auf einen größeren Tisch etwas weiter hinten im Raum von dem Silke jetzt auch leise, aber deutlich Stimmen hörte. Sie wollte eigentlich fragen ob das Kalinka nun doch geöffnet hatte, aber Nadeshda war offenbar zu beschäftigt für ein Gespräch, denn sie hatte sich demonstrativ wieder ihrem Tisch zugewendet.
Als Silke brav auf den angewiesenen Tisch zusteuerte sah sie, dass dort ihr Chef und ein fremder Mann saßen, der ihr vage bekannt vorkam.
Sie glaubte, ihn vor Jahren auf einem Foto in einer Fachzeitschrift gesehen zu haben, die ihr Vater ihr gezeigt hatte. Es handelte sich dabei wohl um einen der Ärzte, mit denen er auf einer Station arbeitete.

Am Tisch angekommen wandte sie sich zuerst Boerne zu. "Hallo Ch... Professor."
Boerne räusperte sich. "Frau Haller. Ehrlich gesagt, hatte ich erst in ungefähr einer halben Stunde mit ihnen gerechnet."
Silke registrierte erstaunt, dass ihr Auftauchen ihren Chef offenbar völlig aus dem Konzept gebracht hatte. Nun gut, sie war tatsächlich sehr früh dran. Es war schließlich erst zehn nach sechs. Aber dem Blick nach zu urteilen, mit dem er sie bei ihrem Eintreffen angesehen hatte, hatte sie gerade sein komplettes Weltbild ins Wanken gebracht. Er hatte sich natürlich sofort wieder um einen neutralen Gesichtsausdruck bemüht. Aber entspannt hatte er sich erst wieder, als sie von der Taxifahrt erzählt hatte. Silke beschloss ihren Chef den Rest des Abends genau zu beobachten und danach zu beschließen ob sie sich Sorgen machen musste.
Schließlich besann der sich auf seine Manieren und stellte sie dem anderen Mann vor, bei dem es sich tatsächlich um Dr. Siegmeyer handelte. Als sie ihm die Hand gab sah sie in seinem Gesicht einen Ausdruck der ihr immer wieder begegnete. Ein übertriebenes Lächeln, das verbergen sollte, dass der andere nicht wusste, wie mit ihr umzugehen war.


Er sah ein paarmal zwischen ihr und Boerne hin und her und fragte schließlich das Offensichtliche: "Sie kennen sich bereits?"
Einmal mehr räusperte sich Boerne: "Nun ja, man könnte sagen Frau Haller und ich haben jede Menge Leichen im selben Keller."

Sie hatte inzwischen ihre Jacke abgelegt, und sich gegenüber von Siegmeyer an den Tisch gesetzt. Boerne beanspruchte die Stirnseite für sich.
Ihr Chef unterbrach schließlich die Stille, bevor sie unangenehm werden konnte. "Da das jetzt geklärt ist, lassen Sie uns von etwas anderem reden. Als Sie vorhin hereingekommen sind, hatten sie offenbar gerade ein sehr erheiterndes Telefongespräch. Verraten sie uns doch um was es dabei ging." Dabei zeigte er auf ein kleines Fenster durch das man in den Vorraum sehen konnte.

Bereitwillig erzählte Silke von ihrem Telefongespräch mit Thiel.
Siegmeyer runzelte daraufhin die Stirn. "Ich bin ehrlich gesagt, etwas überrascht Karl, das du offenbar trotz der jüngsten Ereignisse noch so gute Kontakte zur Polizei zu haben scheinst."

Falls das überhaupt noch möglich war, setzte sich Boerne in seinem Stuhl noch eine Spur aufrechter hin. Auch Silke bildete sich ein zu bemerken, wie sich ihre Nackenhaare sträubten.
"Die Kollegen, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten, haben sich durchaus bemüht dem Grundsatz in dubio pro reo gerecht zu werden. Allerdings, ohne Frau Hallers tatkräftige Mithilfe, wäre die Sache für mich wohl weit weniger glimpflich ausgegangen."
Silke spürte wie sie rot wurde. Die Gelegenheiten, bei denen Boerne sie in ihrem Beisein vor anderen gelobt hatte, konnte sie an einer Hand abzählen. Trotzdem war es ihr in diesem Fall ein wenig unangenehm. Ihr war durchaus bewusst, dass ihre Angaben der entscheidende Beweis für Boernes Entlastung gewesen waren. Aber fachlich gesehen, war das Ganze nun keine große Herausforderung gewesen. Schließlich musste sie dafür hauptsächlich lesen können. Das versuchte sie auch jetzt zu erklären. "Ach was, ich habe nur ein paar Befunde ausgewertet. Die Untersuchungen selbst wurden ja vom Labor im Krankenhaus durchgeführt. Und schließlich schluckt niemand freiwillig löffelweise Kokain."


Darauf fiel offenbar keinem der anderen eine Antwort ein. Bevor die Stille allerdings unangenehm werden konnte, trat Nadeshda zu ihnen an den Tisch. Sie räumte die leeren Gläser ab, die vor Boerne und dem anderen Arzt standen und Boerne bestellte nach kurzer Rückfrage für sie alle etwas Neues zu trinken. Allerdings tat er das auf Russisch. Silke schüttelte innerlich den Kopf. Der Mann ließ tatsächlich keine Gelegenheit aus um aufzuschneiden. Etwas erstaunt war sie, dass Nadeshda dabei mitspielte, denn diese antwortete in der gleichen Sprache. Sie beschloss allerdings, sich darüber nicht weiter den Kopf zu zerbrechen. Nadeshda würde ihre Gründe haben. Vielleicht machte es ihr einfach Spaß, gelegentlich ihre Russischkenntnisse anzuwenden.


Die nächste Viertelstunde verging in einer einigermaßen angestrengten Mischung aus Smalltalk und Diskussionen über Artikel aus Fachzeitschriften. Irgendwann betrat Frau Klemm das Lokal und war sehr erstaunt darüber, nicht die erste zu sein. Schließlich war es noch nicht ganz halb sieben. Es stellte sich heraus dass sich die Staatsanwältin und Dr. Siegmeyer bereits vom Kegeln kannten. Silke hatte allerdings nicht das Gefühl, dass daraus ein sonderlich enges Verhältnis erwachsen war. Ziemlich erstaunt war sie, als im Laufe des folgenden Gespräches das Elisabeth-Krankenhaus erwähnt wurde, und Frau Klemm feststellte, dass dort ja nicht nur Dr. Siegmeyer sondern auch Silkes Vater arbeitete. Offenbar war Silke ihre Verwunderung anzusehen, denn Frau Klemm beeilte sich zu erklären, bei welcher Gelegenheit Silke davon erzählt hatte. Das verringerte ihre Verblüffung nicht unbedingt. Sie konnte sich zwar ebenfalls noch daran erinnern, hätte aber nicht damit gerechnet, dass Frau Klemm sich derartige Einzelheiten merkte. Ihr Chef war offenbar nicht der Einzige mit einem zu großen Gedächtnis.

Kurz vor sieben tauchte auch Kommissar Thiel auf. Er hatte den Kampf gegen die Bürokratie gewonnen, und sein Fahrrad erfolgreich zurückerobert. Einige Minuten später kam Herr Krusenstern zu ihnen an den Tisch und fragte, ob er schon die Suppe bringen sollte, oder ob sie noch auf Thiel Senior warten wollten.
Zu Silkes Erleichterung antwortete Thiel mit einem kurzen: "Wer nicht kommt zur rechten Zeit..." dem sich die anderen mehr oder weniger wortreich anschlossen. Inzwischen hatte wohl nicht nur sie doch recht großen Hunger. Schließlich hatte sie in Erwartung des reichlichen Abendessens kaum etwas zum Mittag gegessen.
Kurz darauf kam Herr Krusenstern mit einem großen Tablett zurück. Darauf befanden sich für jeden eine Schale mit Suppe und Besteck für sie alle. Nadeshda war ebenfalls mit zum Tisch gekommen und half ihrem Vater beim Verteilen. Silke fiel auf, dass sie, im Gegensatz zu vorhin, keine Schürze mehr trug. Die letzte Schüssel stellte sie vor den leeren Stuhl neben Thiel, auf dem sie danach Platz nahm. "So, jetzt hab ich endlich auch Zeit. Hab ich was Entscheidendes verpasst?"

In diesem Moment meldete sich Silkes Handy. Ein Blick auf das Display ließ sie innehalten. Es war die erwartete Nachricht derentwegen sie das Handy überhaupt angelassen hatte. Andererseits, wenn etwas schief gegangen war... Sie beschloss gerade sich auf die Toilette zu entschuldigen als sie spürte wie eine Hand kurz beruhigend ihren Arm drückte. Gleichzeitig nahm Boerne das Handy an sich. Sie wollte gerade protestieren, als er sich räusperte: "Fabiane hat wohl meine Angst vor spitzen Gegenständen geerbt, und es sich im letzten Moment anders überlegt. Beim Geschenke auspacken werden wir wohl beide dabei sein. Lass dich morgen nicht stressen."
Silke wusste, dass sie vermutlich wie ein Honigkuchenpferd grinste. Aber das war ihr im Moment reichlich egal. Etwas geistesabwesend steckte sie ihr Handy wieder ein, dass Boerne ihr zurückgegeben hatte nachdem er mit Vorlesen fertig war. Schließlich bemerkte sie die etwas verwirrten Gesichter der meisten anderen am Tisch und erzählte von ihrer jüngsten Nichte die sich so viel Zeit gelassen hatte, dass eigentlich für heute Abend ein Kaiserschnitt geplant gewesen war. Während sie die Glückwünsche ihrer Kollegen entgegennahm, spürte sie wie eine Anspannung von ihr abfiel, von der ihr erst jetzt bewusst wurde, dass sie sie mit sich herumgetragen hatte.


Schließlich erklärte Thiel Nadeshda, dass er tatsächlich etwas zu erzählen hatte, damit aber warten wollte bis sein Vater endlich aufgetaucht war.
"Na mein Junge dann fang mal an."
Silke zuckte heftig zusammen, als plötzlich von der Tür her eine Stimme ertönte. Da war sie allerdings nicht die Einzige, worüber Herbert sich diebisch zu freuen schien. Er setzte sich auf den letzten freien Stuhl.
Herr Krusenstern brachte noch eine weitere Schale mit Suppe. Danach gab Frau Klemm einen Toast auf ereignislose freie Tage aus. Während sie sich schließlich dem Essen widmeten erzählte Thiel auch noch Nadeshda und seinem Vater vom glücklich wiedergefundenen Fahrrad. Danach hörte man ein paar Minuten fast nur das Klappern der Löffel.


Im Laufe des Abends hatte Silke reichlich Gelegenheit den fremden Arzt, der ihr gegenübersaß, zu beobachten. So entging ihr nicht, dass der Mann eine, der auf dem Tisch verteilten, Weinflaschen fast allein leer getrunken hatte. Überhaupt wirkte er so, als würde in seinem Leben gerade irgendwas mächtig schief laufen. Zuerst hatte sie ein paar Mal versucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, hatte das aber bald aufgegeben. Schließlich hatte sie ihn direkt gefragt ob alles in Ordnung wäre und ob sie vielleicht helfen könne. Nicht das ihr der Mann sonderlich sympathisch war, aber das hieß ja nicht, dass man keine Unterstützung anbieten konnte wenn sie offenbar gebraucht wurde.
Seine Reaktion hatte sie dann allerdings überrascht. Er hatte kurz aber entschieden abgewehrt. Fast als wäre es ihm unangenehm dass sie ihn gefragt hatte. Daraufhin hatte sie ihn in Ruhe gelassen. Thiel hätte vermutlich gesagt "Wer nich‘ will der hat schon."


Gegen halb neun verkündete Frau Klemm schließlich, sie brauche dringend eine Verdauungszigarette und entschuldigte sich deshalb kurz nach draußen. Sofort danach erklärte auch Siegmeyer, er würde sich jetzt verabschieden. Auf Boernes nicht gerade diplomatische Frage, ob er sicher wäre, dass er das Steuer seines Autos finden würde, erklärte er, er würde sich ein Taxi rufen. Nach kurzem Winken in die Runde folgte er Frau Klemm nach draußen.
Daraufhin bemerkte Silke einen kurzen aber eindringlichen Blickwechsel zwischen Boerne und Nadeshda. Es hatte ja schon als sie angekommen war, ein paar Anzeichen dafür gegeben, dass hier heute Abend irgendetwas gelaufen war, das nicht wirklich mit ihrem Treffen zu tun hatte. Aber jetzt war Silke sich sicher. Sie beschloss allerdings ihre Fragen auf nach dem Urlaub zu verschieben. Die Chancen dass ein Überfall erfolgreich war, waren schließlich wesentlich größer wenn er nicht erwartet wurde.


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Wilhelmine stand neben dem Aschenbecher vor einem der Fenster, durch die man einen Blick in die Gaststube werfen konnte und genoss die erste Zigarette dieses Abends. Aus dem Augenwinkel beobachtete sie das Häufchen Elend neben sich. Nun gut, Haufen war wohl die treffendere Bezeichnung. Der Mann war schließlich fast so groß wie Boerne und hatte Thiels Bauchumfang. Aber eine gute Figur machte er im Moment trotzdem nicht. Kein Wunder, bei der Menge an Alkohol die er im Laufe des Abends zu sich genommen hatte.
Inzwischen wusste sie immerhin, woher seine miese Stimmung kam. Sie hatten beide zusammen das Kalinka verlassen. Sie um zu rauchen, er um auf ein Taxi zu warten. Dabei hatte er sie gefragt, ob er sich mit ihr in nächster Zeit in Verbindung setzen könnte. Es ginge angeblich um eine berufliche Fehlentscheidung eines Freundes. Sie hatte dazu nur wissend genickt und ihm vorgeschlagen, er solle am nächsten Tag zu ihr ins Büro kommen. Schließlich hatte sie bis jetzt nur langweiligen Papierkram geplant, der noch vor Jahresende erledigt werden musste. Da war dieses Gespräch sicher um einiges interessanter.

Jetzt wusste sie auch, warum ihr dieser Abend irgendwie merkwürdig vorgekommen war. Sie war zwar keine Polizistin. Aber sie hatte im Laufe der Jahre doch genug Kriminalfallaufklärungen beaufsichtigt, um inzwischen selbst über eine gewisse Kombinationsgabe zu verfügen.
Da war zuerst mal die Tatsache, dass Boerne diesen Siegmeyer überhaupt mit hierhergebracht hatte. Dabei hatte sie sich allerdings noch nichts weiter gedacht. Der Professor tat öfter mal Dinge die niemand wirklich nachvollziehen konnte. Es hatte sie zunächst auch nicht weiter verwundert, dass Frau Krusenstern sich um die Getränke gekümmert hatte und Boerne die Bestellung auf Russisch abwickelte.
Interessanter war die Sache geworden, als sie sah wie Siegmeyer sämtliche Gesichtszüge entglitten als diese sich zu ihnen gesetzt hatte. Es hatte sie allerdings erstaunt, dass die junge Frau sich von Boerne für seine Pläne einspannen ließ. Wobei der Umstand, dass Siegmeyer und Frau Hallers Vater auf derselben Entbindungsstation arbeiteten einiges erklärte.
Siegmeyers Anfrage jetzt eben hatte ihren Verdacht endgültig bestätigt.
Nun sie würde morgen erfahren, was der Mann auf dem Kerbholz hatte. Allerdings vermutete sie, dass sie für derartige Fehlentscheidungen nicht unbedingt die richtige Ansprechpartnerin war. Nun, sie konnte ihm zumindest zuhören und ihm gegebenenfalls erklären, an wen er sich wenden musste.

Die für sie im Moment interessantere Frage war, ob Thiel und Frau Haller wussten, was hier heute Abend gelaufen war. Sie bezweifelte das. Damit stellte sich die Frage ob sie zumindest Thiel darüber informieren sollte, was seine Mitarbeiterin in ihrer Freizeit so trieb. Andere zu belauschen war zwar nicht nett, aber an sich noch nicht illegal. Andererseits schadete es vielleicht nicht wenn...

"Sind sie eigentlich befreundet?" riss Siegmeyer sie aus ihren Gedanken. Er machte eine Geste, die sowohl sie selbst, als auch die Menschen in der Gaststube einschloss.
Sie zuckte mit den Schultern. So genau hatte sie darüber nie nachgedacht. Sicher, sie arbeiteten meist recht gut, wenn auch sicher nicht reibungslos, zusammen und Gelegenheiten wie heute, bei denen man sich traf, gab es immer wieder. Jetzt, vor Weihnachten, war es inzwischen sogar schon so etwas wie eine Tradition, aber Freunde...
Ihr Schulterzucken schien dem Mann jedoch als Antwort auszureichen, denn er nickte bestätigend. "Aber sie halten zusammen, wenn was schiefgeht?" Dazu konnte sie ohne zu zögern zustimmend nicken. Der Satz brachte ihr Verhältnis zueinander überraschend gut auf den Punkt. Die Situation mit der ermordeten Chinesin hatte das schließlich eindeutig bewiesen. Auch wenn sie sich selbst bei der Erinnerung an das ganze Debakel nicht sonderlich wohl fühlte. Letztendlich hatte sie so gehandelt, wie sie es für richtig gehalten hatte und nachträglich hatte ihr das auch niemand übel genommen. Der Professor nicht und auch die anderen nicht, die fraglos hinter ihm gestanden hatten.
"Im Studium haben wir in Verhaltensbiologie mal einen Film gesehen. Da ging es um Ratten. Die leben in der Natur in großen Herden. Da kennt einer den anderen nicht wirklich. Aber sie wissen genau, wer zur Herde gehört und wehe dem, der von außen kommt und Rabatz machen will..."
Sie schwieg. Was hätte sie dazu auch sagen sollen. Aber Siegmeyer schien gar keine Antwort zu erwarten, bevor er weitersprach. "Karl hat damals steif und fest behauptet, bei Menschen würde so etwas nicht funktionieren. Die würden sich nur auf Beziehungen einlassen, wenn genau abzusehen war welchen Nutzen sie davon hätten. Und jetzt..."

Ein Hupen ertönte aus der Dunkelheit hinter ihnen. Das Taxi war angekommen. Der Mann drehte sich um und begann in Richtung der blinkenden Lichter zu wanken. Nach einigen Schritten wandte er sich aber noch mal in ihre Richtung. "Hätte nie gedacht dass ich mal neidisch auf 'nen Haufen Ratten sein würde." Damit bewegte er sich weiter auf das Taxi zu.

Wilhelmine überlegte noch ob sie sich jetzt beleidigt oder geschmeichelt fühlen sollte, als sie die Tür des Autos zuschlagen hörte. Kopfschüttelnd entsorgte sie ihre Zigarette und machte sich auf den Weg zurück ins Warme. Dabei nahm sie sich vor, heute besonders genau auf ihren eigenen Alkoholkonsum zu achten. Wegen Thiel und Nadeshda beschloss sie zur Abwechslung auf ihren Bauch zu hören. Und der riet ihr die Sache auf sich beruhen zulassen. Schließlich war sie Staatsanwältin, keine Petze.


p.S: Wen die beschriebene Krankheit interessiert, der möge hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Phenylketonurie

Comments

Ich gebe zu, daß mir die Handlung manchmal ein bißchen zu verwickelt war und ich gelegentlich nochmal "zurücklesen" mußte, um die Motivation der Figuren richtig zu verstehen. Aber trotzdem hatte ich Spaß beim Lesen und mich über viele Einfälle gefreut. Angefangen mit der Berufswahl von Frau Hallers Eltern ;)

Der OC kam genauso unangenehm rüber, wie Du ihn beabsichtigt hast. Sehr bezeichnend fand ich diesen Satz: Die war wohl irgendwie behindert und hatte deshalb Schwierigkeiten eine Stelle zu finden. Das zeigt so richtig, wie wenig Interesse er an anderen Menschen (und seinen Mitarbeitern) hat.

Grinsen mußte ich bei Nadeshdas Der Chef ist auf der Treppe ausgerutscht. Er sagt zwar nur sein Stolz ist verletzt. Aber ich denke es ist besser wenn sie ihn sich mal ansehen. - irgendwie habe ich Thiel und Nadeshda hier lebhaft vor mir gesehen, obwohl Du die Szene zwischen den beiden ja gar nicht ausgeschrieben hast. Überhaupt war Nadeshda hier klasse - ich fand auch diese Stelle toll: Nadeshda war immer noch stolz darauf, dass es ihr gelungen war einfach zustimmend zu nicken und sich ein "Is schon klar" oder einen ähnlichen Kommentar zu verkneifen.

Auch die Idee mit dem "Testessen" fand ich sehr süß. Kann ich mir irgendwie gut vorstellen, daß Thiel die Gelegenheit nutzt, die Weihnachtsfeier ganz abzusagen, hierbei aber dann doch wieder mitmacht. Und Herberts Satz war natürlich klasse und wir sind nicht die einzigen die heute keine Weihnachtsfeier haben *snicker*

Daß Dein Plot dann Siegmeyer zu diesem gemütlichen Zusammensein gebracht hat, war fast schon schade. Zum Glück hat er sich früh verabschiedet ;) Man hat dennoch die Vertrautheit zwischen den anderen gespürt und kann sich vorstellen, daß das noch ein sehr schöner Abend wird. Vor meinem inneren Auge habe ich die Szenen aus dem Original gesehen, wenn alle zusammen essen - ein schönes Bild!
Schön wenn es dir gefällt. Kompliziert war nicht meine Absicht, aber das sagt sich offensichtlich manchmal leichter als es sich umsetzen lässt. :-)
Also, nach dem ersten Entwurf den du mir geschickt hattest, habt ihr ja noch mächtig 'umgebaut'.

Ich stehe dennoch dazu, wenn ich die Handlung verwirrend und zu konstruiert empfinde. Man müsste den Text zweimal lesen, um ihn zu verstehen - auch wenn jetzt der Fehler, den Ekel (Name vergessen) gemacht hat und der von Silkes Vater aufgedeckt wurde, wenigstens Sinn ergibt.

Laut gelacht habe ich über die Stelle mit Thiels verletzem Stolz - wobei es natürlich weiß Gott kein Spaß ist, von der Treppe zu fallen.
Tja, wie gesagt, verwirrend war nicht der Plan. Ob das Ganze nun konstruierter ist, als viele andere Fanfics auch mag ich nicht festlegen, da ich weiß dass meine eiene Tolleranzspanne da recht groß ist.
Wenn du sagst der gemachte Fehler ist jetzt nachvollziehbar, find ich das beruhigend.